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+++ Marius del Mestre +++
Gesang/Gitarre Mit 15 hab ich angefangen Musik zu machen. Punk Rock. Mein erster Gig war Vorprogramm zu XTC im Kant Kino in Berlin mit ner Band namens „Dirty Needs“. Dann kam TEMPO – die kleine Berliner Band zwischen Punk und Pop. Zu der Zeit wusste ich, dass ich Rock n Roller werden will und hab mich aus der Schule werfen lassen. Ich kann mich schlecht Autoritäten unterordnen, mag coole Gitarren, schöne Frauen, interessante Geisteszustände und alle möglichen kreativen Ausdrucksformen – da bleibt einem kaum was anderes übrig. Die Scherben hab ich zum ersten mal im Tempodrom in Berlin getroffen, Ende der 70’er – da haben wir aus Versehen nach dem Gig Lanrues Gitarre mit eingepackt. Dass ich später mal selber Scherbe werde, war da allerdings nicht abzusehen – das war 1980 und ein ziemlich bizarrer Zufall, den ich eigentlich bis Heute nicht so richtig verstehe. Aber ich glaube, man muss nicht alle Winkelzüge des Schicksals verstehen – nur damit Leben muss man und was gutes draus zu machen versuchen. Die Zeit in Fresenhagen hat mich ziemlich geprägt. Ich war neunzehn und hab viel gelernt – Musikalisch und im Leben. Zum Beispiel, wie schwer es ist, gleichberechtigt zu Leben, mit Egoismen und Gruppendynamischem Irrsinn umzugehen, wie schweinekalt es im Winter auf dem Land sein kann und ne Menge anderes – aber es war ne klasse Zeit und mit einer Band wie den Scherben und mit einem Sänger wie Rio auf Tour zu sein war die Erfüllung meines Rock n Roll Traums. Manche Leute sagen, die Scherben seien die deutschen Stones oder die deutschen Clash – aber das sind sie eben nicht – die Scherben sind wie die Scherben – das ist das besondere an dieser Band. Das zweite Besondere ist, dass die Scherben so was wie eine weitgefächerte Großfamilie sind. Die Scherben-Family. Ich bin ziemlich glücklich, dass wir alle wieder zusammen Musik machen. Zusammen mit unseren Kids auch noch – das ist als wenn „Won’t get fooled again“ von den Who wahr wird. Und es beweist, dass ich recht hatte, als ich sechzehn war. Und dass Rio, Lanrue, Kai, Funky, Schlotterer, Dirk, Nickel, Angie und all die anderen auch Recht hatten als sie sechzehn waren. Und das geile ist, dass wir jederzeit dahin zurück können – bei den Proben, auf der Bühne und eigentlich jedes Mal, wenn wir irgendeinen tollen Song hören oder Spielen – das kann kein Banker oder Anwalt dieser Welt und das freut mich. Ich glaube an Utopien. Ich glaube nicht, dass sie eine Methode zum Leben sind, aber ich glaube, dass die Welt Utopien braucht. Und ich glaube, es gibt viel zu wenig Utopien im Moment. Die Geldmaschine am Kacken zu halten ist jedenfalls keine, sondern ein hoffnungsloser Irrtum. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Welt besser und gerechter machen lässt. Ich habe zwei Söhne, Marlon und Dennis. Kinder sind noch wichtiger als Utopien, denn ohne Kinder machen Utopien wenig Sinn. Ich finde es besonders schön, dass Marlon bei der Scherben-Family mitspielt. Und ich finde, dass Kids in dieser Welt besonders schlecht behandelt und ziemlich verarscht werden. Ich bin sicher, sie merken das bald. Deshalb tue ich was ich tue. Ich möchte Scheiße Scheiße nennen können, ich möchte mich wehren können, ich möchte mich nicht unterordnen und ich möchte eine Idee haben, wie die Welt besser werden kann. Für mich steckt all das in den Texten und der Musik die wir machen. Musik ist vielleicht keine Waffe, aber sie ist ein perfektes Medium um ein bisschen Aufruhr zu verbreiten. It’s only Rock n Roll but I like it |