+++ 16.03.-19.03.2006 +++ Wenn einer einer Reise tut +++

     
 
 

...Wenn jemand eine Reise macht, dann kann er was erleben,
hat meine Oma immer gesagt – und sie hatte Recht.

Besonders viel erlebt der Reisende bei Expeditionen auf unbekanntes Terrain in die Wüste, die Tiefsee, den Weltraum oder eben auf Konzertreisen, wobei sich die letzte von den ersten drei Expeditionsarten dadurch unterscheidet, dass man auf Tour sehr viel mehr interessante Leute trifft als z.B im Weltraum. Deshalb hatte ich mich – trotz der etwas absurden Querelen über das Buch, die man an anderer Stelle nachlesen kann - sehr auf die kleine Lesetour mit Hollow Skai gefreut. Zumal in Köln Jan Plewka und Lieven Brunckhorst dabei sein sollten. Jan ist ja schon öfter mal mit der SCHERBENfamily zusammen aufgetreten und es ist immer schön ihn zu treffen, weil er n klasse Typ ist.

Am Mittwoch Abend holte mich Hollow in Hamburg Altona vom Bahnhof ab und schon auf dem Weg zu seiner Wohnung wurde mir klar, dass ich mal wieder zu viel Gepäck dabei hatte. Ich habe leider immer zu viel Gepäck dabei, dabei nehme ich wirklich nur das Nötigste mit. In diesem Fall einen kleinen Rucksack, einen kleinen Verstärker (der leider trotzdem gute 10 Kilo wiegt) und meine Gitarre. Nach dem Essen probten wir an den Programmen für Köln und Leipzig und beschlossen dann noch ein bisschen um die Häuser zu ziehen.
Im „Hörsaal“ auf der Reeperbahn war „LauschLounge“, moderiert von Michy Reincke. Dort spielte unter anderem Jasmin Wagner, früher Blümchen – heute Blume und vom Kindertechno zum modernen Chanson gemorpht. Aber am besten waren Michys Bratschenwitze (Was ist der Unterschied zwischen einer Bratsche und einer Violine? – die Bratsche brennt länger.) . Stefan Gwildis lehnte grinsend an der Wand und wir wurden mehrfach von streng lauschenden Ladys ermahnt doch bitte nicht ständig zu quatschen. Es war ein bisschen wie in der Schule.
Irgendwann zogen wir weiter, in eine Kneipe, in der Quatschen erlaubt war und am Ende wurde es spät. Nach einem gemütlichen Spätvormittagsfrühstück verbrachten wir den Nachmittag mit Proben und obwohl schon irgenwie klar war, dass es unter Fitnessgesichtspunkten nicht wirklich klug war, gingen wir Abends zum Konzert der FEHLFARBEN im obersten Stockwerk einer riesigen Bunkers, der aussieht wie eine Burg und als wenn in ihm mindestens der Heilige Gral versteckt ist. Im Gegensatz zur Vorband, von der ich nicht so genau sagen kann, wie ich sie fand, waren die Fehlfarben richtig gut. Peter Hein war schon ein klasse Sänger, als ich ihn das erste Mal ’79 bei der Eröffnung des S.O. 36 in Berlin getroffen hab und er ist es immer noch. Als Special Guest war Frank Spilker von den Sternen für einen Song mit auf der Bühne und Gunnar von den Trash Monkees, die kürzlich auch in Fresenhagen für ihre neue CD geprobt haben war auch da. So wie ein Haufen anderer Leute, die zu treffen interessant war, denn Frank Spilker hatte Geburtstag und feierte in der Bunkerburg. Ok – genug Namedropping. Nur einer noch: Ted Gaier, Goldene Zitronen. Den wollte ich ja schon lange mal treffen, weil er mich in Wolfgang Seidels Scherbenbuch so gedisst hat – unberechtigt fand ich. Der war auch da und ich hab ihn getroffen – weiss nicht, ob er immer noch im Kranken haus liegt :o)
neeeee – war n Schertz (in letzter Zeit schreib ich Schertz“ übrigens aus Solidarität immer mit „tz“).
Im Gegenteil, war gut mal zu hören, was Ted eigentlich meinte und ich muss zugeben, er hat schon irgendwie recht. Ich hab mich ungenau ausgedrückt. Wenn jemand ne Schippe Asche hat...

Jedenfalls war es ne prima Party und es war leider ganz unmöglich zu gehen, obwohl Hollow und ich ganz genau wussten, dass der Zug nach Köln am nächsten Morgen um 9 Uhr irgendwas nicht auf uns warten würde. Es war nicht leicht um sieben Uhr nach knapp vier Stunden Schlaf wieder aufzustehen und das Gepäck durch den diesigen Ottensener Morgen zum Bahnhof zu schleifen, wo wir Jan und Lieven trafen. Ich fühlte mich zwar durchgehend ein bisschen durchsichtig, aber die fahrt nach Köln war trotzdem lustig. Wir hatten uns viel zu erzählen und auch wenn die Zeiten ernst sind – es gibt immer was zu lachen. Die Befürchtung, dass das Schauspielhaus Köln für die zu erwartende Besucherzahl zu groß sein könnte, erwies sich überraschender Weise als unbegründet, denn als wir dort im Hotel ankamen sagte uns ein gut gelaunter Mann vom Organisationsteam der lit.cologne es sei so gut wie Ausverkauft. In diesem Moment wurde Hollow, Jan, Lieven und mir klar, dass das keine intime Lesung mit Musik in einem kleinen Nebensaal sein würde, sondern dass wir vor einem vollen Theater mit ca. 800 Plätzen spielen würden. Ehrlich gesagt wurde mir vorübergehend ein bisschen mulmig. Ich hab zwar schon oft alleine mit Gitarre in Clubs und Pubs und sonstwo gespielt, aber „nackt“ vor Theaterpublikum noch nie. Auch Hollow schien mir etwas blass um die Nase und selbst Jan und Lieven, die volle Schauspielhäuser gewöhnt sind, weil auch sie ihr Programm bisher noch nie zu Zweit, sondern immer nur zusammen mit dem Rest der „SchwarzRoten Heilsarmee“ gespielt hatten. Egal – zum Kneifen wars zu spät.
Nach einem Essen beim Griechen und kurzem dösen im Hotel fuhren wir zum Soundcheck. In einem Theater zu spielen ist schon ziemlich anders, als in einem Club oder einer Rock n Roll-Halle. Zum Beispiel ist Rauchen auf der Bühne bei Höchststrafe verboten, die Kantine, wo man beruhigende Getränke bekommen kann, ist endlose Gänge weit weg und es kommen ständig Lautsprecherdurchsagen wie: „Noch 15 Minuten bis zur Aufführung – bitte alle Mitwirkenden bereit machen!“ und zwar im ganzen Haus, egal wo man ist – das kann einen schon nervös machen. Ausserdem gehts im Theater pünktlich los – nix „Naja, wir fangen dann so in zwanzig Minuten an“. Auf einem Monitor im Backstageraum kann man zugucken, wie sich der Saal füllt, dann werden die Türen von außen zugemacht (damit keiner abhauen kann) und um punkt 19:30 standen (bzw. saßen) wir dann vor ein paar Hundert gesittet und interessiert in rotem Plüsch sitzenden Premierenbesuchern.

Hollow fing an zu lesen und obwohl ich das Buch kannte war es ganz anders, es vorgelesen zu hören. Ich will mich jetzt nicht lange darüber auslassen, aber ich persönlich finde den Text weder besonders skandalös, noch übel wollend oder gar boshaft. Er beschreibt ein wildes Leben und eine vielschichtige Künstlerpersönlichkeit aus verschiedenen Blickwinklen und es wäre gut, wenn das Buch rauskommen würde, damit sich jeder eine eigene Meinung bilden und dann gegebenfalls auch ein Buch schreiben oder sich sonstwie äußern kann. Außerdem finde ich, dass man miteinander reden kann, bevor man Anwälte losschickt – aber das nur nebenbei.
Hollow Skai las also und zwischen den Kapiteln spielte ich Scherben und Rio Songs mit Stimme und E-Gitarre. Sich auf eine Bühne vor einen Haufen Leute zu stellen hat unter anderem etwas mit dem überwinden von Urängsten zu tun, weil man sich ja in gewisser Weise ausliefert. Es ist ein kleiner Ritt auf dem Drachen, besonders wenn man alleine ist. Ich stand da also vor all den Theaterleuten und spielte Rios und Lanrues Songs und obwohl ich „Alles Lüge“ vor lauter Nervosität leider bös verkackt habe (Sorry Rio), wurde mir mal wieder klar, das dass einfach richtig gute Lieder sind, weil sie das Publikum berühren und einen selber auch und weil sie einfach funktionieren. Lanrue hat mal gesagt „einen guten Song kann man auch auf Bierflaschen spielen“. Das trifft den Punkt ziemlich genau und ich hatte sogar ne Gitarre.
Als Hollow und ich fertig waren, kamen Jan und Lieven und begannen mit dem wunderschönen a capella gesungenen „Stiller Raum“ aus dem Hamburger Rio Programm – ich hatte die Ehre auch bei ein paar Songs mitspielen zu dürfen und am Ende standen die Leute und es gab drei Zugaben. Ein rundum schöner Abend, den wir im BuchmesseCafé der lit.cologne an einem langen Tisch mit Freunden und Gästen (Martin Paul, Goldi, Dorothea...) ausklingen ließen, an den Nebentischen lauter bekannte Gesichter: Daniel Cohn Bendit, Elke Heidenreich, Frank Schirrmacher und noch ein paar andere, an die ich mich gerade nicht mehr erinnern kann. Irgendwann ziemlich spät, bzw. früh wanderten wir ziemlich angetrunken über eine nicht enden wollende Rheinbrücke zum Hotel auf der anderen Seite des Flusses und waren uns einig, dass man die Songs von Rio und den Scherben eigentlich gar nicht oft genug spielen und singen kann. Der Samstagmorgen war hart, denn der Zug nach Leipzig fuhr früh und es war sehr bedauerlich, dass man noch so gar keine richtige Lust auf das üppige Hotelfrühstücksbuffet hatte. Ich jedenfalls nicht.
Auf der Fahrt nach Leipzig mussten wir in Frankfurt Hbf. umsteigen und ich verfluchte mal wieder mein Gepäck und schwor mir, im nächsten Leben Flötist zu werden, so wie Schlotterer. Es gab auf dem ganzen verdammten Bahnhof keinen Kofferwagen – „alle geklaut“ sagte der Mann von der Bahninfo schulterzuckend. Ausserdem wurde gebaut und der Sound der Pressluftwerkzeuge hämmerte uns eine gute halbe Stunde lang durch die Schädel. Als wir endlich in Leipzig ankamen freute ich mich auf nichts mehr, als auf mein Hotelbett im 19. Stock eines gigantischen Plattenbaus. Die grossartige Aussicht über Leipzig war mir in dem Moment leider ziemlich egal, und als das Weckdienst-Telefon klingelte, war es schon dunkel und man konnte nix mehr sehen. Pech.
Noch mehr Pech hatte aber Hollow, der währenddessen auf der Buchmesse Interviews geben und gar nicht schlafen konnte. Die Lesung fand in einem alternativen Kulturzentrum, der Werk 2 statt, einem großen alten Fabrikgelände aber der Saal, die Halle 5, war diesmal kleiner, so 150 Leute, schätzungsweise und die Atmosphäre war familiärer, mit einer feschen 70er Jahre Couchgarnitur auf der Bühne. Elser und Thomas sind mit russischem Begleitschutz aus Berlin angereist um die Lesung zu dokumentieren. Der Abend lief prima, das Leipziger Publikum war sehr klasse und freundlich, genau wie die Leute von der Halle5 und hinterher blieben viele, um sich noch zu unterhalten und zu diskutieren. Ich hoffe, dass wir mit der SCHERBENfamily demnächst auch mal in Leipzig spielen können.

So, ich könnte jetzt noch ausufernd vom Ende des Abends in einem Leipziger Restaurant erzählen und den vielen interessanten Schrifsteller/innen und Verlagsleuten, die wir dort trafen, von der sehr unterhaltsamen Rückfahrt nach Hamburg in Gesellschaft von Tatjana Gräfin Dönhoff, einer Journalisin die Hollow von seiner Zeit bei Stern kennt, und vom Ende der Reise, dass ziemlich unspektakulär aber entspannend auf meinem Sofa hier in Fresenhagen stattfand (wo es wohl leider nicht mehr lange stehen wird), aber ich finde der Text ist eh schon ellenlang und ich weiß gar nicht, ob ihn irgendjemand überhaupt bis hierhin liest. Jedenfalls war es ne schöne und interessante Reise und ich dachte mir, wer will kann daran teilhaben.
Ich hoffe, dass Hollows RioBio bald erscheinen kann, dass man sich einigt, dass das Leben schön bleibt, auch wenn die Welt schlecht ist und Grüße nochmal besonders Jan Plewka, Lieven Brunckhorst und natürlich Hollow Skai, außerdem die SCHERBENfamily, all die Leute von unterwegs und alle die ich vergessen habe.

Marius del Mestre, 20.3.2006

 
 
 
 
 
   
 
     
     
+++ 18.11.05 +++ Überraschung in Fresenhagen +++
     
 
zurück in fresenhagen, 18.11.2005, nachmittag / abend.

...es war früh heute morgen, so ca. halb vier, als heiko, freund und lehrling im rio reiser haus, meine gitarren und mich hier abgesetzt hat, komfortabel chauffiert im väterlichen 200D (vielen dank, heiko und vielen dank auch an jan für den transport von verstärker und kabelkiste!)
ich selbst hätte auch auf keinen fall mehr fahren können, denn wir hatten vorher backstage in der hamburger fabrik noch mit allen beteiligten und freunden das ende der tour und in martins geburtstag hinein gefeiert...

zu hause angekommen, musste ich feststellen, dass während meiner abwesenheit zwei dinge eingebrochen sind: nämlich erstens der winter (es is eisewindbrausebrummelkalt in nordfriesland) und zweitens jemand in meine wohnung. im kleinen wintergartenvorraum, wo die katzen wohnen (sind übrigens noch zwei sehr süsse bunte glückskatzenkinder abzugeben!), ist chaos – und zwar diesmal offensichtlich nicht von katzenpfoten, sondern von menschenhand gemacht.
jemand hat offenbar eine der scheiben ziemlich grob aus dem rahmen montiert, dann die fensterhaken geöffnet und ist über meinen schreibtisch schlangenmenschmässig in die wohnung eingestiegen. geklaut wurde, soweit ich das bis jetzt überblicken kann, nix – aber ich bin ein bisschen müde von der tour und hab nicht so richtig die nerven ne totalinventur zu machen. das seltsame an der ganzen sache ist, dass der oder die einbrecher das fenster hinterher, wenn auch total amateurhaft, wieder eingebaut haben. Zugemacht haben sie es allerdings nicht, so dass jederzeit jemand wieder hätte hindurchklettern können. und es ist auch völlig undicht und blöderweise zieht es jetzt wie hechtsuppe. alles in allem sehr mysteriös.

es ist ein ekliges gefühl, sich vorzustellen, dass irgend ein fremder in der wohnung war, weil man sich ständig überlegt, wo derjenige vielleicht diskret rumgewühlt hat und weil man sich auch nicht mehr so richtig sicher fühlt. jedenfalls blieb mir ja nun nix anderes übrig, als die polizei zu rufen. das ist, wenn man übermüdet und angetrunken von einer tour nach hause kommt, ne aktion, die man ungefähr so dringend braucht, wie drei pickel am arsch - nämlich gar nicht. dazu kommt, dass ich jemand bin, der sehr sehr ungern die polizei ruft. schon erst recht nach fresenhagen. in der welt, in der ich lebe tut man das nicht und hat allgemein schlechte erfahrungen mit polis. andererseits ist es durchaus wünschenswert, dass es leute gibt, die für die einhaltung essenzieller menschlicher und gesellschaftlicher grundregeln sorgen – auch wenn es polizisten sind.
es fuhr also heute mittag, nachdem ich ein bisschen geschlafen hatte, ne grüne minna vor und zwei sehr ruhige, freundliche nordfriesische polizeibeamte nahmen den sachverhalt auf, maßen und fotografierten und waren auch ein bisschen überrascht über die umstände dieses einbruchs... na ja, das ganze geht jetzt als anzeige gegen vorübergehend unbekannt zur kripo nach niebüll, die werden gegebenenfalls noch mal kommen und fingerabdrücke nehmen...und früher oder später wird ganz sicher rauskommen, was hier eigentlich passiert ist...
das war das sehr unerfreuliche.

das sehr erfreuliche ist, dass die tour für uns ein grosser, schöner und zukunftsweisender erfolg war und zwar dank all der leute, die in die konzerte gekommen sind, gesungen und getanzt haben, und sich gemeinsam mit uns wenigstens für einen abend die euphorie gegönnt haben, dass die welt besser werden kann, soll und muss, und dass es zeitunabhängige universelle ideen dazu gibt, die immer wieder zu postulieren sich lohnt. und ich bin sicher, wir werden mehr werden im laufe der zeit und ich freue mich jetzt schon auf die diversen projekte, die wir für das nächste jahr vorbereiten. das was wir machen, mag nur ein kleiner fliegenschiss im weltall sein, aber es ist es allemal wert – gestern, heute, morgen und übermorgen sowieso.
es war zwar nicht überall ausverkauft und wir werden kein geld verdienen, aber wir haben auch nicht draufgezahlt, und wir hatten inklusive der berliner konzerte ende oktober acht klasse abende mit klasse leuten und ich glaube, dass ich recht habe, wenn ich sage – es ist zeit, die republik ein bisschen aufzumischen. die welt zu verändern ist eigentlich ganz leicht: alles, was man tut, verändert die welt. kleine dinge pflanzen sich fort und werden grosse dinge und für gerechtigkeit und gegen ungerechtigkeit zu singen und zu sprechen kann nur gut sein – egal wer es macht und egal, wie viele es machen.
ups – jetzt bin ick abba schrecklich pathetisch jeworden. sorry, bloss - es is ja nun mal so.

...was bleibt noch zu schreiben? – es bleibt, sich zu bedanken: bei elser und thomas – für die organisation, die religiöse beratung und die innere ruhe; bei richie, wolfgang und heiko (ein anderer heiko) – für ton, licht und geduld; bei dirk seidel von rock links (der gestern auch geburtstag hatte) fürs booking; bei euch, dem publikum für stimmung und unvergessliche momente; bei allen scherbenfamilys für die musik, für den zusammenhalt und für die möglichkeit, all dies gemeinsam zu erleben; dank an gymmick, jan plewka und sven panne für die stimmen und die lieder, die sie mit uns gesungen haben (frank spilker von den „sternen“ war leider krank und konnte nicht kommen – das holen wir nach). mein persönlicher, besonderer dank an nikel, der sich rührend um die pflege meiner stimme gekümmert hat, was bei mir leider nicht immer auf freundliche zustimmung gestoßen ist;
und ich bedanke mich auch bei allen nörglern und miesepetern, weil sie mir uns gewissheit schenken, dass wir auf dem richtigen weg sind;
und ganz besonders und aus tiefstem herzen danke ich meiner liebsten, die in gedanken immer bei mir war...

das spiel geht immer weiter...

marius


     
     
+++ 18.11.05 +++ nach hause +++
     
 
18.11.05 rückreise von hamburg

nebel in der stadt, abschied, wir verteilen uns in der republik, zurück nach hause. im zug nach berlin, der erste reif auf bäumen und feldern, goldener oktober ist vorbei, der winter steht vor der tür, es soll schon geschneit haben. der zug fährt so schnell das ich die namen der bahnhöfe nicht lesen kann aber ich schlafe eh mehr als wach zu sein.

in berlin begegnet uns auf dem kudamm ein riesiger weihnachtsmann. kein traum, nur noch 4 wochen. wir alle sind jetz ziemlich groggy und werden erst mal etwas ausruhen.
tma18.Nov.05
     
     
     
+++ 17.11.05 +++ Hamburg +++ Fabrik +++
     
 
hamburg, hotel, früh am morgen

fabrik , ein grandioses konzert, danke an alle die da gewesen sind.
jetzt gehts erst mal ins bett und morgen gibt es mehr...
   
     
     
+++ 16.11.05 +++ Hamburg +++
     
 
 
hamburg, domicil, nacht, 16.11.2005

....das war alles, was ich gestern um halbdrei noch schreiben konnte. die erfahrung zeigt, dass es nach einem konzert fast unmöglich ist, noch geschliffene tagebuchsätze rauszuhauen. man schafft höchstens zwei – ich jedenfalls...
...heute konnten wir ein bisschen länger schlafen als sonst (spätestens 9:00 raus ausm bett, schnelles frühstück, bahnhof), weil wir einen off-tag haben, bevor wir morgen in der hamburger fabrik das finale unserer kleinen testen-wirs-mal-wann-wenn-nicht-jetzt-tour einläuten. das gibt gelegenheit, mal zu rekapitulieren, wie’s so war...

vorgestern in nürnberg, waren (leider) nicht so viele nürnbörger da, aber dafür der nürnbörger oberbörgermeister und sein kültürdezernent. ganz ehrlich gesagt – es war ziemlich leer, aber die atmosphäre war warm und herzlich. gymmick, ein wirklich wunderbarer sänger, liedermacher und grossartiger mensch, der auch schon mehrfach in fresenhagen gespielt hat, war unser lokaler gaststar und wir hatten einen wunderbaren abend. es war ne interessante erfahrung zu sehen, dass es gar nicht so sehr auf die menge der leute ankommt, die zuhören. die stimmung entsteht aus der gemeinsamkeit – egal ob 20, 200, 2000 oder noch mehr leute zuhören und –gucken. das schönste für uns ist die wärme und herzlichkeit untereinander und die gemeinsamkeit mit dem publikum. hört sich grauenhaft an, aber ’s ist eben so.

gestern in heidelberg spielten wir übrigens in einer kulisse von grossformatigen kitschfotos der üblichen verdächtigen aus deutschlands film- und fernesehlandschaft: zum beispiel barbara schöneberger, die nervensägig üppige schlagfertigblondine, als achtarmige indische göttin (in jeder hand ne zunge ;o) - oder till schweiger als kitschig stilisierter astronaut (als ich ihn neulich zufällig in der bahn gesehen hab, hatte er keinen raumanzug an). künstlerisch ein bisschen wie jeff koonz im stefan raab-stil.

auf jeden fall war die tour ein erfolg und wir werden weiter machen. es gibt nämlich noch ne menge dinge für oder gegen die es sich zu kämpfen lohnt...
zwar werden sich ganz sicher gleich nach der tour ein haufen bedenkenträger zu wort melden, die dies oder jenes scheisse finden und/oder wissen wies geht...es gibt ja im scherbenumfeld traditionell viele bedenkenträger und mache tragen so viele bedenken, dass man sich wundert, dass sie so schwer beladen überhaupt noch laufen können...
ich persönlich finds fast ein bisschen schade, dass wir nicht noch weiter fahren – hatte mich grad so an das tourleben gewöhnt. dirk meinte gestern, dass man wahrscheinlich die ersten tage danach so gegen 18:00 anfängt nervös zu werden, weil zu dieser zeit normalerweise soundcheck ist und so langsam der adrenalinpegel steigt. andrerseits ist das touren auch ziemlich anstrengend und ein bisschen ausruhen kann auch nicht schaden. kai hatte die letzten tage mit grippeanflügen zu kämpfen und ist sicher froh, sich schonen und pflegen zu können.

aber noch ist es nicht so weit. sieht so aus, als würde es heute abend in der fabrik ziemlich voll werden. wir erwarten viele freunde, sven panne aus hamburg wird ein paar songs vorne weg spielen und später auch einen mit uns zusammen, genau wie jan plewka und frank spilker, auf die wir uns sehr freuen.
mdm16.Nov.05

 
     
     
+++ 15.11.05 +++ Heidelberg +++
     
 
heidelberg, holiday inn, nacht, 15.11.2005

...heute wars gar nicht so einfach – hat ne weile gedauert, bis heidelberg warm wurde...aber am ende hatten wir doch alle spass; wir haben gesungen, getanzt und einen kleinen aufruhr veranstaltet, der hoffentlich bald einen grossen nach sich zieht...
mdm15.Nov.05

 
     
     
+++ Montag 14.11.05 +++ von Köln nach Nürnberg +++
     
  noch in köln, 14.11.2005

hotelzimmer, nacht, nach dem konzert... inzwischen hat sich ne art tourleben entwickelt (das geht sehr schnell, wenn man erst mal unterwegs ist) wir treffen uns morgens zum frühstück, haben nicht viel zeit, weil wir den zug kriegen müssen. Den Vormittag verbringt man in einer art dämmerzustand in der bahn... wir kommen an, ruhen uns kurz aus, werden so langsam richtig wach, machen soundcheck, essen was und spielen... und wir haben ne menge spass und freuen uns über das, was vom publikum, von euch, zurück kommt........

unterwegs nach nürnberg, 14.11.2005

....soweit bin ich gestern gekommen, bevor ich einsehen musste, dass ich einfach zu müde für tagebucheinträge bin. jedenfalls war das konzert in köln wieder ein schönes erlebnis, genau wie das vorgestern in hannover, und wir bedanken uns an dieser stelle mal ganz herzlich bei allen, die zu den konzerten kommen, allen die mitsingen, tanzen und mit uns zusammen diese angenehme aufbruchstimmung entstehen lassen. die zeit is reif. inzwischen sind wir ein bisschen eingespielt und es ist ne reine freude, für euch zu spielen. gestern hatten wir die erste stagediverin – die bühne in der live-music-hall ist ziemlich hoch - ich hätte mich da nicht runtergestürzt. um ehrlich zu sein, bin ich eher nicht der grosse stagediver, aber vielleicht probier ich’s doch mal, wenn sich die gelegenheit ergibt...

...wir fahren gerade aus dem frankfurter hauptbahnhof – wolkenkratzer seitwärts. new york is anders. “bankfurt”, sagt schlotterer. in diesen türmen sitzen sie alle – die, die zum sparen mahnen und sich selbst kaltlächelnd auf unverschämte art bereichern... der zugchef macht seine stewardess-mässige ansage – die bahn spielt flugzeug. der speisewagen heisst jetzt „bordrestaurant“, was aber qualitativ nix ändert. reale probleme lassen sich eben nicht mit marketingmitteln lösen. man fühlt sich eher verarscht, wenn einem ein paar millionäre launig und mit lächerlichem pathos verkünden: „du bist deutschland“ – ich jedenfalls. ausserdem bin ich schon papst und das ist für nen atheisten schwer genug...
...dirk erzählt gerade, dass im mittelalter der papst persönlich allen statuen innerhalb der vatikanmauern die pimmel abgemeißelt hat, damit dort keiner auf dumme gedanken kommt. inzwischen ist die bildhauerkunst so abstrakt, dass ein durchschnittlicher papst den eventuellen pimmel einer statue gar nicht finden würde... jedenfalls lädt das abteilintern zu allerlei scherzen ein, die ich jetzt mal nicht aufschreibe, schon alleine, weil ich vor lachen im augenblick zu wenig sehe......
.....und ehe jemand was falsches denkt – die meiste zeit führen wir tiefschürfende philosophische diskussionen über gott, die welt und den rock n roll...
mdm14.Nov05

     
     
+++ Montag 14.11.05 +++ in Köln +++
     
  köln, 14.11.2005

Wir landen in köln und werden mit dem deutschen oder soll ich sagen kölner R’nR konfrontiert. Ehrlich gesagt schwer zu verstehen. Wir sind aus alten zeiten viel gewohnt. Ich dachte es hätte sich was bewegt in der republick. Das hotel ist nach heutigen maßstäben eine absteige: Zimmer ohne telefon und so im keller, das angie sich weigert, dort zu wohnen und zumindest dann in den 1. stock aufsteigt. Das sind so die orte, wo man eigentlich sofort wieder weg will. Wenn man bis zu diesem zeitpunkt nicht schlecht drauf war, ist die zeit jetzt gekommen.
Ich weiß nicht, warum R’nR was mit depression zu tun haben muss. Wahrscheinlich gehört das zu dem mythos, das die musiker dann noch aggressiver und lauter werden. Als gebe es nicht schon bei helligkeit genug grund agressiv, wütend und laut zu werden. Aber die schwarze front hat ja sei gothic eh andere wurzel als damals. Die schwarzen löcher sind im R’nR ja sowieso vorhanden.
Das erfahren wir heute in der music hall. Ein großes schwarzes loch. Die amtliche R’nR halle. Alles schwarz, groß, um auf die bühne zu schauen, muss man mindestens 190 sein. Die dunkelheit scheint die dort arbeitenden menschen offentsichtlich zu beeinflussen. Die begrüßung der hallen crew ist mürrisch bis gar nicht vorhanden. Das ist eine R’nR krankheit, die immer noch cool zu sein scheint. Wahrscheinlich auch ein baustein zu dem programm, wie bringe ich eine R’nR band schlecht drauf, damit sie auf der bühne so richtig loslegen. Aber die gemütslage wird sich im laufe des abends doch ändern und die arbeit der crew war wirklich okay. Danke.

Ein lichtstrahl von beginn an ist die küche und deren personal. Danke danke danke. Große auswahl, sehr lecker und im konzert stehen sie vor der bühne und fahren ab. Da fällt mir unsere fahrt im zug heute ein. Der zug fährt in den bahnhof bonn/siegburg ein und die schaffnerin (zugführerin?) unterbricht ihre kontrolle mit dem satz: „Entschuldigen sie, ich lass mal eben abfahren.“ Die hats einfach, wir müssen jeden abend unser bestes geben, damit die leute abfahren. Das geht nicht auf pfiff. Der hallenncrew muss man zu gute halten, das sie ihre meinung im laufe des abends wohl geändert haben. Anfangs bestand der smalltalk mit dem hallenchef darin, von ihm zu hören dass heute ja nur die alten kommen, die sich beschweren, dass die halle nicht bestuhlt ist und am liebsten einen barhocker haben wollen. Er stellte sich auf divese diskussionen ein. Na am ende war das durchschnittsalter klar unter 30 und der pogo ging ab. Was zu einem gewissen stummen erstaunen führte. Ganz abgesehen davon dass seine stagehands die texte auch schon kannten und mitsangen.
mp14.Nov.05
     
     
+++ Sonntag 13.11.05 +++ Richtung Köln + + +
     
  Hannover - Köln 13.11.05

ICE hbf hannover, marius, "...morgens um elf ist die welt noch in bielefeld...", dreht sich um raucht weiter. funky ist schon früher als viele andere am bahnhof, auf dem richtigen gleis! lauter gestresste bahnfahrer suchen rempelnd ihre plätze im zug, gelobt sei die bundesbahnplatzkartenreservierungsstelle.
das war also hannover, draussen fliegen die die bäume am fenster vorbei, laub ist weniger geworden, die lieder von gestern hallen noch nach.
das ist jetzt die tour, der pavillon war gut besucht und selbst 8jährige kinder singen mit. nach dem konzert ist vor dem konzert, hannover passé, köln voraus.
warum spielen wir eigentlich nicht in halle ? live music halle wuerde dann vielleicht live music köln heissen. einer ist etwas verwundert, dass die beiden teenies die ihn nach dem konzert belagerten ton steine scherben nicht kennen und auch nicht gar nicht im Konzert gewesen sind - er fragt sich wohl was die von ihm wollten.
alles sind noch muüde und kaum ansprechbar. der bahnschaffner will nicht berühmt werden, ordnet an die kamera auszuschalten was eine deutliche diskussion nach sich zieht bis er sich verzieht. der rest der fahrt zog sich schläfrig dahin, der Dom wird gesichtet, wir sind in Köln .
family13.Nov.05
     
     
+++ Samstag 12.11.05 +++ Richtung Hannover + + +
     
 

berlin-hannover, 12.11.2005

„...wer zu lange bügelt kommt zu spät zum Zug ...“

...eigentlich hätte es ja niemand wirklich für möglich gehalten, obwohl hinter vorgehaltener hand darüber gewitzelt wurde. erst als wir auf dem bahnsteig standen, und es nur noch wenige minuten bis zur einfahrt des zuges waren, tauchte sie auf: die frage, von der kai sagt, sie sei vermutlich eine der meistgestellten fragen im universum – innerhalb der SCHERBENfamily ist sie es auf jeden fall – mit weitem abstand und seit vielen jahren.

es ist keine der vier grossen menschheitsfragen – wer bin ich? wo komme ich her? was kann ich tun? hat noch jemand zigaretten? es ist eine relativ simple, aber für uns als rock n roll band evidente frage und sie lautet:
„wo ist funky??“ – denn ohne trommler kein rock n roll.

diese frage wurde wie gesagt schon unendlich oft gestellt und es hat diverse, manchmal bizarre antworten darauf gegeben. als gerade der zug einfuhr, gelang es uns funky zu erreichen (zum glück gibt es heutzutage mobiltelefone). seine antwort diesmal war: „ich bin in der u-bahn. günzelstrasse“:-(
das war definitiv zu weit weg, um es noch zu diesem Zug zu schaffen und richtig – der nächste anruf brachte gewissheit: „seid ihr in dem zug, der gerade weg gefahren ist ?“ waren wir.

jetzt sitzt funky im backlinebus, der noch nicht von berlin weg gefahren war und wir können nur hoffen, dass er nicht unterwegs während einer pinkelpause abhanden kommt. Wir sind jedenfalls guter hoffnung, heute abend komplett auftreten zu können, denn bis jetzt haben wir ihn noch jedes mal rechtzeitig wiedergefunden... ;o)
mdm12.nov05
 
     
+++ Freitag 11.11.05 +++ letzte Probe mit ARTE + + +
     
  berlin, 11.11.2005

halb neun abends und: ich bin müüde... gerade zurück aus der ufa fabrik. noch ne kleine probe zur einstimmung (vielen dank an manni für den übungsraum!). letzter schliff bevor wir morgen nach hannover aufbrechen. bei der probe hatten wir besuch von einem sehr netten „arte“-team. die haben einen beitrag für arte „kultur“ gedreht. läuft am montag um 20:00.
wer in und um nürnberg wohnt, sollte allerdings den video-rekorder programmieren – es sei denn, er oder sie schafft es in ner halben stunde in den „hirsch“ – denn live isses ja doch schöner und wir freuen uns auf den großartigen gymmick als gast...
vorhin noch ewig durch berlin gekurvt, die gitarren vom guitar doc geholt (auch gitarren brauchen zuweilen nen arzt). freitag mittag von charlottenburg über kreuzberg nach tempelhof fahren ist ne prüfung für jemanden, der nordfriesland gewöhnt ist – man freut sich da fast, wenn man mal n anderes auto sieht. hier bekommt man doch sehr schnell genug davon.
jedenfalls sind wir alle guter dinge, der backlinebus ist beladen und wir freun uns aufs spielen.

bevor im laufe des heutigen späten vormittags die ganze family eingetrudelt ist, sind angie, lisa, kai und ich gestern nachmittag von flensburg hierher gefahren. kleiner vorgeschmack auf das touren per bahn. der erste eindruck ist positiv. ganz anders als alleine reisen. man sitzt gemütlich zusammen (mit glück an einem tisch), kann pinkeln gehen, wann man will, es gibt kaffee und was zu essen...obwohl - in der bahn essen empfiehlt sich nicht so. abgesehen davon, dass es unverschämt teuer ist – ich hatte neulich die kleinen rostbratwürste: die kommen plastikverschweisst in ein mikrowellenähnliches gerät, werden dann auf einen teller geflutscht und sehen ein bisschen aus, wie abgehackte finger, die schon ein paar tage liegen. eigentlich nix für gitarristen. na ja – es war schon zu spät zum abbestellen und ich hatte richtig hunger. gestern hatten wir zum glück was zu essen und zu trinken mit, und wir haben sehr gelacht. es wird ja viel zu wenig gelacht in der bahn und meistens gibt’s ja auch wenig grund dazu...
wir kamen irgendwie auf fallschirmspringer und keiner wollte mir glauben, dass man, wenn ein solcher abstürzt, „eingeschlagen“ sagt. sehr lustig aber kein witz. also beispielsweise: „du, der soundso is neulich voll eingeschlagen.“ – das ist der korrekte fachausdruck und es bedeutet nicht, dass der soundso einen riesenerfolg hatte, wie man als musiker vielleicht annehmen würde. ich hoffe mal, wir schlagen auch ein – allerdings eher musikalisch. also, wenn ihr auf n sprung vorbei kommen wollt... – wir üben mal wieder ein bisschen dagegen sein und nein sagen – das fehlt in letzter zeit. könnte ja sein es setzt sich ein bisschen durch und wenn die momentan nicht-regierenden sich endlich zu einem gegenseitigen ja durchgerungen haben, zu all den kürzungen, die sie selbst zum glück gar nicht betreffen, sagen genug leute einfach mal: „nö“. das muss man üben, weil man sich nicht alles gefallen lassen darf... da fällt mir noch n nachtrag zum thema „messer im rücken“ ein (siehe unten): hab kürzlich zufällig zwischen zwei spiegeln gestanden und entdeckt – ich hab auch eins...könnte allerdings auch n bumerang sein. weiss man noch nicht. es gibt zeiten, da sollte man ab und zu mal nachsehen, ob man da eins hat, im kreuz. dann braucht man rückgrad. apropos kreuz - was man während einer bahnfahrt auch sehr gut machen kann, sind kreuzworträtsel: fluss in italien mit vier buchstaben? hmmm.. – „po“ ist zu kurz. ich werd mal die anderen fragen. morgen is ja auch noch ein tag...
mdm11.nov05
 
 
     
     
+++ Montag 31.10. / 01. 11. 05 +++ Fresenhagen 06:30 + + +
     
 

fresenhagen... 31.10. / 1.11.05

...es ist halb sechs und das fernsehen rauscht, alles schläft tief, nur die ameise lauscht...

...zum beispiel um zwanzigfünfzehn im ersten: „luther“ – aus quotengründen als junger liebhaber besetzt; auf die frage, ob er seine thesen gegen die verkrustete katholische kirche des mittelalters widerruft, antwortet er mit tiefer überzeugung: „nein. hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ nur wenig später kam die fortsetzung – als gegenwarts-doku-soap: „merkel“. da klang es schon ganz anders, leicht verwirrt und resigniert: „das einzige, was ich weiß ist, dass ich hier stehe.“

oh, dachte ich – der protestantismus is aber tief gefallen in den letzten jahrhunderten. papst stoiber weiss auch nicht weiter: „die...säule hat sich...verändert“ aha. der turm stürzt ein. könnte sein wir brauchen keine reformen, sondern eine reformation. weltweit. mehr ketzer bitte!

halloween – nacht der langen messer - jetzt auch hier bei uns (habt ihr das in müntefehrings rücken gesehen?) aber immer so, dass man drüber lachen kann. sympathisch. wenn auch bisschen bittersüss der spass. wie so oft (wer wird eigentlich vizekanzler?). immerhin geht die SCHERBENfamily auf tour und es gibt keine bundesregierung. das ist neu. ein zeichen? keine macht für niemand? keine macht für niemand! wer ist eigentlich dieser niemand? wenn das so weiter geht, ist niemand demnächst auf einmal mitglied der spd. hatten wir uns das so vorgestellt? das politische establishment beweist jedenfalls derart eindrucksvoll seine unfähigkeit, dass einem angst und bange werden kann. vielleicht alle mal auf die wartburg – einzelzellen – zum in sich gehen.

inzwischen is es spät in der nacht. auf dem sofa lungern, gitarre klimpern... mein lieblingsprogramm bei schlaflosigkeit: „bob ross – the joy of painting“ auf BRM (alpha). ein mann der paradiese in öl malt. und zwar superkitschige. und er kommentiert seine paradiese beim malen so schön, dass man am liebsten gleich mitmalen will und vor dem einschlafen wieder an das gute glauben kann. trashkultur vom feinsten: „look at this nice little tree that lives right here near the waterfall...“
ich möchte ein kleiner baum sein.

in bob ross’ welt gibt’s natürlich auch bushes – aber wer will schon ein bush sein? eben. noch ein paar „foamy little things in van dyke blue - with a little touch of titanium white (take the two inch brush!)...it’s that easy...” bob ross malt mir eine kleine gemütliche hütte mit kamin direkt am see – ich bin ihm dankbar. „just let your imagination flow.“ in diesem sinne – mehr phantasie is immer gut... ...aber ich geh jetzt ins bett...  
mdm01.Nov.05

 
 
 
 
 
 
     
     
     
+++ Sonntag 23. Okt. 05 +++ Berlin - Fresenhagen + + +
     
  ... bin erstmal wieder in fresenhagen angekommen.
gut wäre übertrieben. früher war man als bahnreisender ein notwendiges übel - seit mehdorn ist man persönlicher feind. ich jedenfalls. jedes mal.
     
  ... halbe stunde verspätung - kein direkter anschlusszug in hh-hauptbahnhof - nur noch über elmshorn mit umsteigen. war aber nicht schlimm - der fuhr nämlich gestern zur abwechslung mal von altona. also erstmal gitarre&all das gepäck in die s-bahn wuchten (hatte bei der hinfahrt mit dem transporter leider nicht bedacht, dass ich mit dem zug zurück muss). von altona fährt ja aber sowieso n direkter nach NF. der war voll mit jung-soldaten, die sich gegenseitig die neuesten kleinen spass-nazifilme auf handy zeigten die vorzüge von ketamin erklärten - vielleicht wirklich besser, die gleich in irgend ne wüste zu schicken (wer wird eigentlich verteidigungsminister?). bin dann in die 1. klasse gegangen und hab der bahntante erklärt, dass ich das als widergutmachung betrachte. sie hat nix gesagt. wahrscheinlich weil ich geguckt hab wie ein tiger mit appetit und auch ne ähnliche stimme hatte. der vorteil ist - wenn wir mit der bahn auf tour fahren, bin ich jeden abend schön adrenalingeladen fürs konzert...
 
     
  ... hier isses herbstlich ruhig. nordfriesland eben. sehr schön mal zwischendurch. die stimme is heute schon wieder ganz ok. wenns nach mir ginge könnt ich heute abend wieder spielen - überhaupt waren die berlin konzerte ja sehr prima, wenn man mal so rückblickt. und die reaktion der freunde und fans auch - danke für die vielen mails. für die lieben dankes sollten wir uns auf der webseite zurückbedanken. ich werd jetzt erstmal das chaos beseitigen, das die kleinen katzen zwischenzeitlich im wintergarten angerichtet haben. die armen vögel...
mdm23.Okt.05